Ackerbau
Auf unseren Feldern wirtschaften wir nach den strengen Bioland-Richtlinien. Durch vielfältige Fruchtfolgen, schonende Bodenbearbeitung und den kompletten Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pestizide fördern wir die natürliche Bodenfruchtbarkeit. Unser Ziel ist es, hochwertige Lebensmittel zu erzeugen und gleichzeitig die Artenvielfalt zu schützen.
Fruchtbar durch Vielfalt
Der Schlüssel zu gesunden Böden liegt in einer ausgewogenen Fruchtfolge. Über mehrere Jahre hinweg folgen unsere Kulturen einem bewährten Rhythmus, der den Boden nährt und seine Fruchtbarkeit erhält.
Wie funktioniert so eine Fruchtfolge konkret? Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner, dem Biolandhof Markett aus der Nachbarschaft, haben wir unsere Äcker zu einem »Flächen-Pool« zusammengelegt und in sechs ungefähr gleich große Einheiten aufgeteilt.
Diese partnerschaftliche Zusammenarbeit ermöglicht es uns, die Vorteile der Fruchtfolge optimal zu nutzen: Jedes Jahr wird jede Kultur angebaut, kehrt aber auf die einzelne Fläche erst nach sechs Jahren zurück. Ein perfektes Wechselspiel.
Diese Vielfalt im Anbau hat viele Vorteile: Verschiedene Pflanzen mit unterschiedlichen Wurzelsystemen lockern den Boden auf und machen ihn fruchtbarer. Besonders wertvoll sind dabei Kleegras und Ackerbohnen, die wie eine natürliche Düngerfabrik arbeiten: Als so genannte Leguminosen reichern sie mit Hilfe von winzigen Bakterien, die an ihren Wurzeln leben, den Boden mit Stickstoff aus der Luft an.
Durch den ständigen Wechsel der Kulturen werden auch Pflanzenkrankheiten und Schädlinge auf natürliche Weise in Schach gehalten – sie finden im Folgejahr nicht mehr ihre bevorzugte Wirtspflanze vor. So können wir ganz ohne chemisch-synthetische Pestizide auskommen und schaffen gleichzeitig beste Voraussetzungen für gesunde, kräftige Pflanzen.
Fruchtfolge im Jahresverlauf
1
Kleegras

Mehrfach gemähte Klee-Gras-Mischung reichert den Boden mit Stickstoff an und verbessert durch intensive Durchwurzelung die Bodenstruktur.
2
Raps
Profitiert vom nährstoffreichen Boden nach Kleegras und bildet mit seiner Pfahlwurzel wichtige vertikale Bodenstrukturen.
3
Weizen

4
Ackerbohnen / Erbsen

Ackerbohnen oder Erbsen bringen erneut Stickstoff in den Boden und lockern ihn durch ihr tiefreichendes Wurzelsystem.
5
Dinkel

Anspruchslose Kultur mit hoher Backqualität, die auch auf nährstoffärmeren Böden noch gute Erträge bringt.
6
Roggen / Hafer / Gerste
Abtragende Frucht zum Abschluss der Rotation, danach beginnt der Zyklus wieder mit Kleegras.
Kreislauf statt Einbahnstraße
In unserem Betrieb sind Ackerbau und Tierhaltung eng miteinander verzahnt. Das Futter für unsere Rinder bauen wir selbst an: Kleegras und Getreide von unseren Feldern bilden die Grundlage ihrer Ernährung. Im Gegenzug liefern die Tiere wertvollen organischen Dünger, der die Bodenfruchtbarkeit unserer Äcker auf natürliche Weise erhält.
Diese geschlossene Kreislaufwirtschaft macht unseren Betrieb weitgehend unabhängig von externen Ressourcen (abgesehen von Saatgut, geringen Mengen an Mineralfutter und Naturkalk für die Böden sowie Diesel für unsere Maschinen). Das schont nicht nur wertvolle Ressourcen, sondern verhindert auch die Überdüngung des Grundwassers mit Stickstoff. In unserem System regulieren sich Viehbestand und Düngermenge auf natürliche Weise selbst, da sie direkt an die verfügbare Fläche gekoppelt sind.
Lokaler Dinkel für lokale Bäckerei
In unserer Fruchtfolge hat ein ganz besonderes Getreide seinen festen Platz: der Dinkel. Seine Besonderheit liegt in der natürlichen »Verpackung« – dem Spelz, der das Korn fest umschließt und wie eine Schutzrüstung vor Krankheiten, Witterung und Schadstoffen bewahrt. Anders als andere Getreidearten wird Dinkel mit dieser Hülle gesät und geerntet.
Wir setzen bewusst auf traditionelle Sorten wie Zollernspelz. Sie wachsen zwar langsamer als moderne Hochleistungssorten, überzeugen aber durch ihren ursprünglichen Geschmack und ihre natürliche Robustheit.
Von der Aussaat bis zum fertigen Brot bleibt unser Dinkel in der Region: Nach der Ernte wird er entspelzt, dann mit regenerativer Energie in der Biomühle Eiling vermahlen und schließlich in der Backstube der Bäckerei Potthoff zu leckerem Brot verarbeitet. Alle Stationen dieser Wertschöpfungskette liegen in einem Umkreis von maximal 50 Kilometern.
Champagnerroggen – majestätisches Getreide mit Geschichte
Eine besondere Rarität auf unseren Feldern ist der Champagnerroggen. Diese historische Sorte, ursprünglich aus der französischen Champagne stammend, prägte um 1900 die Landschaft im norddeutschen Raum, verschwand in den 1960er Jahren fast völlig und wurde erst in den 1990er Jahren in einer Gen-Datenbank wiederentdeckt.
Mit seiner imposanten Höhe von bis zu zwei Metern erinnert der Champagnerroggen an die majestätischen Getreidefelder, die vor einem Jahrhundert unsere westfälische Heimat prägten. Seine besonderen Merkmale – die tiefere Farbe und der ausgeprägte Geschmack – machen ihn zu etwas Besonderem.
Robust und widerstandsfähig gegen Krankheiten, gedeiht er auch auf nährstoffärmeren Böden. Das macht ihn nicht nur zu einer idealen Sorte für den Bio-Anbau, sondern liefert auch ein besonders ballaststoffreiches, gesundes Getreide.
Alte Getreidesorten bewahren
Der VERN e.V. (Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen) leistet wichtige Pionierarbeit: Er macht historische Getreidesorten aus Genbanken wieder für die Landwirtschaft zugänglich. In einem mehrjährigen Prozess werden die alten Sorten erforscht, getestet und vermehrt, bis sie wieder angebaut werden können.
Als Mitglied im Getreidenetzwerk des VERN profitieren wir von dieser wertvollen Arbeit. Mit dem Anbau von wiederentdeckten Sorten wie unserem Champagnerroggen tragen wir aktiv zum Erhalt der genetischen Vielfalt bei. So bleiben nicht nur historische Sorten erhalten, sondern wir können unseren Kunden auch besondere Getreide mit einzigartigem Geschmack und wertvollen Eigenschaften anbieten.